Freitag, 18. Januar 2019

Ziele

Hallo,

ihr kennt das sicherlich auch. Man legt sich für das neue Jahr ein paar 'gute Vorsätze' zurecht und spätestens nach 2 Wochen ist Alles wieder beim Alten. Das hab ich auch schon einige Male gemacht und mir ging es danach eher schlecht. Also ich hatte ein schlechtes Gewissen mir selbst gegenüber. Die Vorsätze waren ja nicht schlecht, aber ich hatte eben nichts auf die Reihe bekommen. Das möchte ich dieses Jahr anders machen.

Die guten Vorsätze dazu hatte ich in den letzten Jahren immer wieder. Da geht es um

  • weniger Alkohol trinken
  • mehr Sport machen
  • gesünder ernähren
  • abnehmen
 ,aber wenn ich mir das so anschaue, sind diese Vorsätze alle schrecklich schwammig.

Natürlich will ich weniger Alkohol trinken, aber wieviel ist dieses 'weniger' und ab wann ist es zuviel? Genau so ist es mit den anderen Vorsätzen. Und dann taucht da plötzlich ein grundsätzliches Problem auf: 'Was will ich denn wirklich von mir und vom Leben?'

Vor einigen Jahren hatte ich mir mal ein Buch gewünscht, es hieß 'The Big 5 for Live' von John Stelecky (unbezahlte Werbung). Gelesen hatte ich das ziemlich schnell, es hat nur ca .150 Seiten, aber verstanden hatte ich es nicht. Das kam erst, als ich eines der anderen Bücher von John Strelecky gelesen habe. Das lag auch daran, dass ich das Buch anders gelesen habe. Nicht in einem Zug verschlingen, sonder Happen für Happen genießen. Und ich habe über das gelesene gleich nachgedacht und überlegt 'Was bedeutet das für mich, für mein Leben?'

Ich habe seit einiger Zeit diese Big 5 auf einem Zettel stehen und zum Teil lebe ich auch danach. Aber das ist eine Geschichte für einen extra Artikel.

Die Vorgehensweise, wie ich mir meine Ziele für 2019 aussuche, läuft allerdings gerade sehr ähnlich ab. Ich überlege mir,

'Was will ich von diesem Jahr? Auf was möchte ich am Ende des Jahres zurückblicken und sagen können, das hast du geschafft?'

Inzwischen habe ich einige Ideen gesammelt:



    • täglich Zeichnen
    • kein Twitter, FB, WhatsApp während der Arbeit
    • weniger Alkohol trinken
    • Aufräumen / sauberer Schreibtisch
    • Handyzeit begrenzen, evtl. Offlinetage
    • Abnehmen
Aber was unterscheidet diese Ideen denn jetzt von den guten Vorsätzen? 

Im Job bekommen ich immer gesagt, 'Ziele müssen messbar sein.' Deshalb habe ich versucht, mir Ziele auszusuchen, bei denen mir auch spontan 'Messwerte' einfallen. Bei einigen Zielen ist der Wert schon mit angegeben, wie beispielsweise beim täglichen Zeichnen. Bei anderen Zielen muss ich mir genau überlegen, was ich wirklich durchhalten kann. So ist zum Beispiel das Ziel 'Abnehmen' gar nicht mal so hoch gesteckt. Ich würde gerne 5-6 Kilo abnehmen. Das ist in einem vernünftigen Rahmen und ich habe immer noch Reserven, wenn mal was schiefgeht. Ich möchte also 0,5 Kilo pro Monat abnehmen. Da es mir schwer fällt, ganz auf Süßes zu verzichten, könnte das schon damit klappen, wenn ich weniger Alkohol trinke. Um herauszufinden, was 'weniger' ist, werde ich im Januar erst einmal schauen, was den mein 'Normalverbrauch' ist. Dabei habe ich schon gemerkt, das ich schon deshalb, weil ich es aufschreibe, mir bewusst mache, was ich da tue. Und dann bleibt das Bierchen halt auch jetzt schon mal im Kühlschrank, oder ich trinke eben lieber ein alkoholfreies.

Die letzten 3 Tage habe ich jetzt noch ein bisschen an den Zielen selbst geschraubt und z.B. das Ziel
  • kein Twitter, FB, WhatsApp während der Arbeit
komplett raus genommen. Es erscheint mir wenig realistisch, dass ich das durchhalte. Außerdem mach ich das nur in meinen Pausen.

Meine Zielvereinbarung sehen jetzt so aus:


·         Tägliches Zeichnen (1 Zeichnung am Tag / an mindestens 9 von 10 Tagen möchte ich zeichnen)
·         Weniger Alkohol trinken
o   Im 1. Halbjahr max. 10 Tage / Monat
o   Im 2. Halbjahr max. 5 Tage / Monat
·         Aufräumen / sauberer Schreibtisch (2 Aufräumaktionen / Monat)
·         Smartphonezeit begrenzen
o   1 Stunde pro Tag (ausgeschlossene Apps: GoogleMaps,  MoneyManager)
o   1 Tag offline je Woche
·         Abnehmen (6 kg im Jahr, Startgewicht am 1.1.2019: 84,8kg -> Zielgewicht 78,8 kg)
·         Einen bestimmten Betrag sparen (6000,-€ im Jahr)


Ich hab also jetzt meine Zielvereinbarung mit mir fertig und sogar wie einen richtigen Vertrag mit einer Unterschrift versehen.Gespannt bin ich darauf, wie es klappt. Darüber werde ich sicherlich hier noch weiter berichten.

Was mich wirklich brennend interessiert ist, was ihr darüber denkt? Haltet ihr das für überzogen oder eher für eine coole Idee? Oder haltet ihr mich jetzt vielleicht für völlig übergeschnappt?

Lasst mir einfach ein paar Worte von euch da. Ich freu mich darauf.

Bis bald,
Euer Axel




Freitag, 7. Dezember 2018

Dankbarkeit

Schon eine Weile überlege ich mir, dass ich viel dankbarer sein müsste. Ich habe alles, was ich brauche und noch viel mehr (auch da will ich irgendwann mal ansetzen). Trotzdem bin ich immer wieder undankbar und neidisch auf andere denn...






- er hat ein schöneres/schnelleres Auto
- hat einen neuen Laptop /neues Smartphone
- eine hübsche Freundin
- mehr Follower
- bla, bla, bla







...und so geht das weiter. Warum sind wir Menschen nicht mit dem zufrieden, was wir haben? Darüber habe ich schon einige Artikel u.a. in Philosophiezeitschriften gelesen. Ich weiß zwar, warum das so ist, kann es aber für mich selbst nicht abstellen. So bleibt meist ein gewisse Unzufriedenheit.

Aber letzte Woche war das ganz anders. Ich war beim Arzt und habe seit drei Jahren mal wieder einen CheckUp machen lassen. Der war längst überfällig und ich hatte natürlich ein bisschen Bammel davor. Wird etwas dabei rauskommen, dass ich eigentlich gar nicht wissen will? Da war so eine unterschwellige Angst, die immer größer wurde, je näher der Termin kam.

Und dann kam der Tag X. Der Arzt hat Untersuchung für Untersuchung gemacht. Nach jedem Check kam ein "Sieht gut aus", "könnte gar nicht besser sein" oder "für dein Alter sind das Top-Werte". Da habe ich nach und nach gemerkt, wie sich in meinem Bauch ein Gefühl breit gemacht hat. Es war warm und angenehm und als ich es näher betrachtet habe, konnte ich feststellen, dass es eine tiefe Dankbarkeit ist. Ich war ganz von selbst Dankbar geworden.

Das ist ein schönes Gefühl und es hat mir eine Tür aufgemacht. Ich weiß jetzt wieder, wie gut sich das anfühlt und versuche weiterhin Dankbar zu sein, für alles was ich habe. Seit einigen Tagen mache ich dazu auch noch die #3guteDingedesTages auf Twitter. Ich überlege, für welche 3 Dinge (oder auch mehr) ich heute dankbar sein kann. Es ist auch gar nicht schwer. Oft muss ich nur ein paar Sekunden über den Tag nachdenken und habe meine drei schon beisammen.

Ich bin mal gespannt, wie lange ich diese Dankbarkeit noch pflegen kann und hoffe dabei, dass es mir noch sehr lange gelingt.

Nachtrag:

Mein Arzt hat mich noch in's MRT geschickt. An der Niere hat er was im Ultraschall gesehen, was er abklären wollte. Es könnte ja auch ein Tumor sein, aber zu 99,9% eben nicht!

Also war ich im MRT, obwohl ich das nicht wirklich mag. Wenn ich auf der Liege in dem Ding bin, kommt es mir immer so vor, als ob das so vor sich hin schaukelt, wie ein kleines Boot auf den Wellen. Das kommt bei mir davon, dass der Hörnerv recht empfindlich ist und damit auch den Gleichgewichtssinn reizt.

Am Ende hatte ich noch eine kurze Besprechung mit dem Radiologen. Der meinte nur 'Alles in Ordnung, sie haben ja noch nicht einmal eine Leberzyste'. Zuhause habe ich dann mal nachgesehen und festgestellt, dass immerhin bis zu 80% aller untersuchten Patienten während ihres Lebens irgendwann eine Leberzyste bekommen.

Ach ja, das MRT war ein 'Siemens Symphony TIM 1,5T'. Die 'Synphonie' hat Siemens aber in dem Krach gut versteckt ;-)

Bis bald,

Euer Axel

Freitag, 9. November 2018

Gefühle - wieder einmal

Hallo,

es ist ja nicht das erste Mal, dass ich über Gefühle schreibe. Allerdings geht es mir heute eher darum,
wo meine Gefühle herkommen und wie ich diese wahrnehme. Die Gefühle selbst spielen dabei erst einmal keine so große Rolle. Ja, du hast richtig gelesen, was ich fühle ist gar nicht so wichtig, sondern DASS ich ÜBERHAUPT fühle!

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es vorher war, vor meiner Therapie, die ich vor zwei Jahren gemacht habe. Ja, ich hatte auch Gefühle. Das war mir aber irgendwie immer suspekt und oft wollte ich diese Gefühle gar nicht haben. Gefühle, wer braucht das schon? Was ich dabei gar nicht bemerkt hatte, dass es oft gar nicht meine eigenen Gefühle waren, die ich gespürt habe. Ich habe einfach die Gefühle der Menschen um mich herum wahrgenommen und reflektiert.

Hört sich komisch an? Ja, es fühlt sich auch komisch an! Wenn du im Discounter an der Kasse stehst und hinter dir ist grade jemand aggressiv und du wirst auch plötzlich aggressiv. Wenn du einen Grund dafür erkennen kannst, mag es ja gut sein, aber wenn man plötzlich aggressiv wird, aber gar nicht erkennen kann warum, dann ist das sehr verwirrend.

Diese Verwirrung wollte ich möglichst schnell wieder loswerden und habe die Gefühle sofort wieder unterdrückt. Das hat bei mir erstaunlich lange funktioniert, aber irgendwann war der Punkt gekommen, wo es eben nicht mehr funktioniert hat. Das kam dann so schubweise und hatte oft auch einen definierten Auslöser wie zum Beispiel einen Streit.

Zu der ganzen geballten Wut, die ich während des Streites entwickelte kamen dann auch noch die ganzen anderen, so lange unterdrückten, Gefühle hoch. So eine Mischung muss man erst einmal verkraften. Ich hab das jedenfalls nicht hinbekommen und hatte so ein Gefühlschaos in mir, dass ich, wenn alles wieder abgeebbt war, ein paar Tage innerlich völlig leer war.

Diese Leere war aber noch viel schlimmer, als die Gefühle von anderen Menschen. Ich dachte zeitweise, dass ich schon innerlich abgestorben wäre. Die Folge waren dann drei Phasen Depression, aber die Geschichte habt ihr ja vielleicht schon gelesen.

Heute ist das bei mir ganz anders. Ich habe gelernt, meine Gefühle zu fühlen. Auch habe ich gelernt dass es eben 'nur' Gefühle sind. Gib ihnen den Raum, den sie brauchen und alles ist Gut! Was auch heute auch sehr gut unterscheiden kann, sind Gefühle von anderen Menschen. Wenn ich wieder mal am Discounter in der Schlange stehe und jemand aggressiv wird, amüsiere ich mich eher, als das dessen Ärger auf mich überspringt.

In den letzten Wochen habe ich aber nochmal intensiv daran gearbeitet, dass ich weniger negative Gefühle habe. Wie das geht? 'Stop complaining' heißt die Antwort, also 'Beschwer dich nicht'. Auch wenn das ein wenig zu kurz greift. Es geht darum, sich nicht bei Leiten zu beschweren, die dein Anliegen nicht ändern können. Also über das Wetter braucht man sich somit gar nicht mehr zu beschweren.So in etwas wie Karl Valentin, der gesagt hat 'Ich bin immer glücklich, wenn es regnet. Denn wenn ich unglücklich bin, regnet es trotzdem.' Dazu gibt es ein tolles Video von Will Bowen, dem Initiator dieser Challenge.

Will Bowen: Stop complaining

Diese Challenge hatte ich ja schon einige Zeit am Laufen aber dann kam noch das Jammerfasten

Jammerfasten

dazu und ich muss sagen, das hat mir erst den entscheidenden Kick gegeben.

Ich schaffe es zwar immer noch nicht, 21 Tage am Stück nicht zu jammern, aber ich habe meine Einstellung gegenüber meiner Umwelt doch ziemlich verändert.

So habe ich zum Beispiel auf eine Enttäuschung, die ich gerade erst beruflich erfahren habe, nicht wie sonst mit Wut und Ärger reagiert! Ich konnte es ganz gelassen nehmen und sagen: 'Naja, wenn es so nicht geht, dann versuche ich halt einen anderen Weg. Das ist meine Entscheidung'. Damit bin ich aus der Opferrolle raus und bleibe Handlungsfähig.

Und genau da liegt der entscheidende Punkt. Ich bin für mich selbst verantwortlich! Ich entscheide! Ich gehe meinen Weg und bin nicht abhängig davon dass zuerst Person X Sache Y macht!

Das Schöne daran ist, dass ich heute viel weniger negative Gefühle habe und auch ein ganzes Stück glücklicher bin und wieder Energie in mir habe für all die Projekte, die schon so lange liegen geblieben sind.

Bis bald,

Euer Axel

Samstag, 18. August 2018

Stop Complaining - Tag 10

Leute, ist das frustrierend

...und schwierig!

Ich habe wohl erst in den letzten Tagen so richtig verstanden, auf was ich mich eingelassen habe. Ich bin bei meiner Challenge fast jeden Tag wieder auf Tag 1 zurückgefallen. Alleine heute hat mein Armbändchen mindestens 10 mal die Seite gewechselt. Ich hätte mich tatsächlich nicht als Nörgler, oder Meckerer eingeschätzt.
Zum Glück habe ich mir das Buch 'Einwandfrei', die deutsche Übersetzung des Orginals 'A Complaint Free World' gekauft. Dadurch habe ich erst so richtig verstanden, was der Sinn der ganzen Challenge ist. Es geht nicht einfach nur darum, nicht zu jammern und sich nicht zu beschweren. Auch Nörgeln, Kritisieren und Tratschen gehören zu den Beschäftigungen, bei denen wir uns gerne gegenseitig übertreffen und dabei jede Menge negativer Energie freisetzen.
Ich merke, es wird nicht wirklich einfach, diese 21 Tage am Stück ohne Jammern, Beschweren, ... durchzuhalten. Aber ich erkenne auch, dass es sich wahrscheinlich lohnen wird, dran zu bleiben.

Wahrscheinlich werde ich zu dem Thema noch ein paar Einträge mehr schreiben.

Bis bald,

Euer Axel

Freitag, 10. August 2018

Stop Complaining - Tag 2

Heute ist der Zweite Tag meiner 'Complaint free World' Challenge.



Hatte ich schon erwähnt, das ich, wenn ich jammere oder mich beim Falschen beschwere, mein Armbändchen auf den anderen Arm wechseln muss?
Aber was noch besser ist, wenn ich das Bändchen wechseln muss, falle ich auf Tag 1 zurück!
Und da hatte ich gestern nochmal Glück gehabt, denn ich war ja eh bei Tag 1! Ich habe über jemanden gelästert (das ist nicht 'verboten') aber es war am Ende doch eine Beschwerde, die ich bei meiner Frau platziert hatte!
Also -> Bändchen von rechts nach links wechseln.
Da ist es heute noch, mal sehen wie lange. Ich merke aber jetzt schon, dass ich etwas achtsamer bin, was ich sage und wie ich es sage. Und die Achtsamkeit macht vor den Gedanken keinen Halt. Ich ertappe mich auch immer wieder mal, wenn ich in meinen Gedanken jammere und denke dann, 'Wenn du das gesagt hättest, müsstest du jetzt Bändchen wechseln.'
Es funktioniert also, ich fange an, mein Denken umzustellen hin zu positiveren Sätzen und Gedanken.

Bis Bald,
Euer Axel


Donnerstag, 9. August 2018

Höre auf zu jammern!

Über meine Firma bin ich auf eine Art 'Projekt' gestoßen, dass mich von Anfang an fasziniert hat:
Die 'Complaint free World Challenge' von Will Bowen. Hier ist das Video einem seiner (hervorragenden) Vorträge zu dem Thema:

        Video Will Bowen

Es geht darum, das eigene Mind-Set, also die innere Einstellung zu ändern und zwar dahin gehend, dass man nicht mehr über Dinge beschwert bei Leuten, die daran eh nichts ändern können.

Wenn man etwas ändern möchte geht man zu den Leuten, die auch den Einfluss haben, das zu ändern oder, wenn man es nicht ändern kann, man damit aufhört, darüber zu jammern und akzeptiert es.

Das beste Beispiel dafür ist das Wetter. Darüber jammern gerade jetzt, in der Hitzewelle, fast alle Leute. Ich kann ja immer noch sagen 'Mir ist zu heiß'. Das ist eine Feststellung. Aber wenn ich zu meiner Frau sage 'Mensch, das Wetter ist heute wieder fürchterlich', dann ist das jammern. Meine Frau kann nämlich leider auch nichts daran ändern.


Über meine Firma konnte ich das Armbändchen 'Stop complaining' kostenlos anfordern und trage das jetzt seit 9. August 2018. Gerade jetzt, wo ich das schreibe ist also mein

'DAY 1'. 


Und damit ist es jetzt auch erstmal gut. Ich werde euch regelmäßig darüber bereichten, wie weit ich gerade bin und was mich wieder zu 'Day 1' zurückgeworfen hat.

Bis Bald,

Euer Axel

Und hier sind die Artikel, wie ich mit den Tagen vorwärts komme und was für Hürden mir im Weg stehen:

Tag 10


Donnerstag, 25. Januar 2018

Mein Leben mit der Depression (Teil 4)


Vor dem vierten Teil habe ich mich lange gedrückt. Aber heute habe ich damit angefangen, mir das alles noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen und nicht zu denken

"Das ist vorbei, lass es so wie es ist"

Für mich ist das der falsche Ansatz. Ich will verstehen, was passiert ist, sonst tappe ich garantiert in die selbe Falle zum zweiten Mal. Darauf habe ich überhaupt keine Lust!

Es war eines schönen Tages auf meiner Arbeit. Mein Chef schickt ein Mail, dass wir in unserm Rechenzentrum eine Stomabschaltung haben. Wir sollen zum Zeitpunkt X alle Systeme herunterfahren. Eine unserer leichtesten Übungen. Am nächsten Tag kann dann früh wieder alles eingeschaltet werden. Dazu muss man noch nicht mal ins RZ gehen. Beim Herunterfahren von einem System habe ich aber schon gemerkt, das braucht viel zu lange, da geht etwas schief. Aber mit etwas Handarbeit hat dann doch noch alles geklappt.

Am nächsten morgen um 6 Uhr war ich wieder am Rechner und habe angefangen, die Systeme wieder zu starten. Genau das System, das nicht herunterfahren wollte, hat sich zwar starten lassen, aber die wichtige Datenbank lief nicht wieder an! Ich habe angefangen den Fehler zu analysieren und ein paar Prüfskripte gestartet. Die brauchen ein wenig Zeit, die ich dazu genutzt habe, auf die Arbeit zu fahren.

Dort angekommen, habe ich verzweifelt versucht, die Datenbank wieder zum Laufen zu bekommen. Ich war von 7:00 Uhr bis um ca. 17:00 Uhr im Büro und habe versucht, was irgendwie möglich war. Am Ende aber ohne Erfolg. Und das Ganze ohne Pause, ohne etwas zu Essen, nur getrunken habe ich.

Auf dem Weg nach Hause hat mich das weiter beschäftigt...

Am nächsten Morgen wollte ich nicht aufstehen, ich hatte ziemlich schlecht geschlafen. Es ist mir einfach nicht gelungen, loszulassen.

Und dann kam die Angst!

Was ist, wenn du heute auf die Arbeit gehst, und das Problem nicht lösen kannst? Angst, Panik und was da sonst noch alles in mir aufgestiegen ist. An diesen Morgen kann ich mich nur noch schemenhaft erinnern. Aber dann kam auch der Punkt, an dem ich mir selbst eingestanden habe, dass ich wieder Hilfe brauche.

Zu meinem Hausarzt wollte ich nicht gehen, auch wenn der mich sicherlich Krank geschrieben hätte. Er kennt ja meine Geschichte ziemlich gut. Aber diesmal wollte ich es richtig machen. Erst zum Psychologen, dann zur Psychotherapie. Also habe ich mich ans Telefon gesetzt und alles abtelefoniert, was ich im Umkreis gefunden habe. Und so habe ich tatsächlich für den nächsten Tag einen Termin bekommen.

Als ich früh dort aufgetaucht bin, musste ich erst einmal warten, lange warten. Aber das war in Ordnung, ich hatte ja eh nichts besseres zu tun. Als ich dann zur Ärztin kam, hat sie mit mir ein sehr langes Anamnesegespräch geführt. Da habe ich mich richtig gut aufgehoben gefühltund habe ihr auch davon erzählt, dass ich wieder Selbstmordgedanken und Gewaltphantasien habe. Darauf hat sie geantwortet, dass sie weniger Bedenken hätte, das ich mir etwas antun könnte, sondern vielmehr dass ich vor lauter Anspannung hier auf den Tisch springe!

Erst da habe ich gemerkt, unter was für einem Druck ich eigentlich stand. Sie verschrieb mir Venlafaxin als Antidepressivum und nach etwas, das gegen Panikattacken hilft, was ich aber nie genommen habe. Und sie hat mich krank geschrieben. Erstmal für 2 Wochen. Den Rest hat mein Hausarzt wieder übernommen. Er hat mir auch dazu geraten, eine Wiedereingliederung zu machen. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, erst einmal wieder für ein paar Stunden ins Büro zu gehen.

Im Nachhinein betrachtet, hätte ich damals auch die Arbeitsstelle wechseln müssen aber dazu hatte ich nicht die Kraft, das zu fordern. Mein Arbeitgeber hat mich auch ein sehr gutes Feedback gegeben. Da habe ich mich etwas 'einlullen' lassen.

Wenige Monate später hat mein Hausarzt festgestellt, dass meine Nierenfunktion durch die Medikamente stark beinträchtigt wird. Er wollte das weiter beobachten. Da ich aber sowieso das Gefühl hatte, dass das Venlafaxin nicht wirklich wirkt, habe ich mich dazu entschlossen, die Tabletten einfach abzusetzen. Ich hatte die Pillen eh schon nicht mehr regelmäßig eingenommen. Daher war ich der Meinung, dur hast ja eh schon angefangen, auszuschleichen. Was für ein Fehler!

In den folgenden 3 Wochen hatte ich immer wieder Schwindelanfälle, die mir richtig Angst eingejagt haben. Im Nachhinein habe ich dann erfahren, dass es einfach Entzugserscheinungen waren, die aber zum Glück doch einigermaßen schnell wieder verschwunden sind.

Was mich im Nachhinein noch beschäftigt hat, war die Frage, wie ein einziger Arbeitstag dazu führen kann, dass ich wieder in das tiefe Loch hineinfalle? Die Frage war aber ganz einfach zu beantworten:

'Ich habe nicht auf mich aufgepasst, meine Gefühle zu lange ignoriert!'

Seitdem versuche ich einfach, besser auch mich zu achten und meinen Gefühlen den notwendigen Raum zu geben. Ja, einfach ist das nicht, aber es ist besser, als wieder in dieses Loch zu fallen!

Danke für's lesen!

Bis bald, euer Axel