Samstag, 18. August 2018

Stop Complaining - Tag 10

Leute, ist das frustrierend

...und schwierig!

Ich habe wohl erst in den letzten Tagen so richtig verstanden, auf was ich mich eingelassen habe. Ich bin bei meiner Challenge fast jeden Tag wieder auf Tag 1 zurückgefallen. Alleine heute hat mein Armbändchen mindestens 10 mal die Seite gewechselt. Ich hätte mich tatsächlich nicht als Nörgler, oder Meckerer eingeschätzt.
Zum Glück habe ich mir das Buch 'Einwandfrei', die deutsche Übersetzung des Orginals 'A Complaint Free World' gekauft. Dadurch habe ich erst so richtig verstanden, was der Sinn der ganzen Challenge ist. Es geht nicht einfach nur darum, nicht zu jammern und sich nicht zu beschweren. Auch Nörgeln, Kritisieren und Tratschen gehören zu den Beschäftigungen, bei denen wir uns gerne gegenseitig übertreffen und dabei jede Menge negativer Energie freisetzen.
Ich merke, es wird nicht wirklich einfach, diese 21 Tage am Stück ohne Jammern, Beschweren, ... durchzuhalten. Aber ich erkenne auch, dass es sich wahrscheinlich lohnen wird, dran zu bleiben.

Wahrscheinlich werde ich zu dem Thema noch ein paar Einträge mehr schreiben.

Bis bald,

Euer Axel

Freitag, 10. August 2018

Stop Complaining - Tag 2

Heute ist der Zweite Tag meiner 'Complaint free World' Challenge.



Hatte ich schon erwähnt, das ich, wenn ich jammere oder mich beim Falschen beschwere, mein Armbändchen auf den anderen Arm wechseln muss?
Aber was noch besser ist, wenn ich das Bändchen wechseln muss, falle ich auf Tag 1 zurück!
Und da hatte ich gestern nochmal Glück gehabt, denn ich war ja eh bei Tag 1! Ich habe über jemanden gelästert (das ist nicht 'verboten') aber es war am Ende doch eine Beschwerde, die ich bei meiner Frau platziert hatte!
Also -> Bändchen von rechts nach links wechseln.
Da ist es heute noch, mal sehen wie lange. Ich merke aber jetzt schon, dass ich etwas achtsamer bin, was ich sage und wie ich es sage. Und die Achtsamkeit macht vor den Gedanken keinen Halt. Ich ertappe mich auch immer wieder mal, wenn ich in meinen Gedanken jammere und denke dann, 'Wenn du das gesagt hättest, müsstest du jetzt Bändchen wechseln.'
Es funktioniert also, ich fange an, mein Denken umzustellen hin zu positiveren Sätzen und Gedanken.

Bis Bald,
Euer Axel


Donnerstag, 9. August 2018

Höre auf zu jammern!

Über meine Firma bin ich auf eine Art 'Projekt' gestoßen, dass mich von Anfang an fasziniert hat:
Die 'Complaint free World Challenge' von Will Bowen. Hier ist das Video einem seiner (hervorragenden) Vorträge zu dem Thema:

        Video Will Bowen

Es geht darum, das eigene Mind-Set, also die innere Einstellung zu ändern und zwar dahin gehend, dass man nicht mehr über Dinge beschwert bei Leuten, die daran eh nichts ändern können.

Wenn man etwas ändern möchte geht man zu den Leuten, die auch den Einfluss haben, das zu ändern oder, wenn man es nicht ändern kann, man damit aufhört, darüber zu jammern und akzeptiert es.

Das beste Beispiel dafür ist das Wetter. Darüber jammern gerade jetzt, in der Hitzewelle, fast alle Leute. Ich kann ja immer noch sagen 'Mir ist zu heiß'. Das ist eine Feststellung. Aber wenn ich zu meiner Frau sage 'Mensch, das Wetter ist heute wieder fürchterlich', dann ist das jammern. Meine Frau kann nämlich leider auch nichts daran ändern.


Über meine Firma konnte ich das Armbändchen 'Stop complaining' kostenlos anfordern und trage das jetzt seit 9. August 2018. Gerade jetzt, wo ich das schreibe ist also mein

'DAY 1'. 


Und damit ist es jetzt auch erstmal gut. Ich werde euch regelmäßig darüber bereichten, wie weit ich gerade bin und was mich wieder zu 'Day 1' zurückgeworfen hat.

Bis Bald,

Euer Axel

Und hier sind die Artikel, wie ich mit den Tagen vorwärts komme und was für Hürden mir im Weg stehen:

Tag 10


Donnerstag, 25. Januar 2018

Mein Leben mit der Depression (Teil 4)


Vor dem vierten Teil habe ich mich lange gedrückt. Aber heute habe ich damit angefangen, mir das alles noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen und nicht zu denken

"Das ist vorbei, lass es so wie es ist"

Für mich ist das der falsche Ansatz. Ich will verstehen, was passiert ist, sonst tappe ich garantiert in die selbe Falle zum zweiten Mal. Darauf habe ich überhaupt keine Lust!

Es war eines schönen Tages auf meiner Arbeit. Mein Chef schickt ein Mail, dass wir in unserm Rechenzentrum eine Stomabschaltung haben. Wir sollen zum Zeitpunkt X alle Systeme herunterfahren. Eine unserer leichtesten Übungen. Am nächsten Tag kann dann früh wieder alles eingeschaltet werden. Dazu muss man noch nicht mal ins RZ gehen. Beim Herunterfahren von einem System habe ich aber schon gemerkt, das braucht viel zu lange, da geht etwas schief. Aber mit etwas Handarbeit hat dann doch noch alles geklappt.

Am nächsten morgen um 6 Uhr war ich wieder am Rechner und habe angefangen, die Systeme wieder zu starten. Genau das System, das nicht herunterfahren wollte, hat sich zwar starten lassen, aber die wichtige Datenbank lief nicht wieder an! Ich habe angefangen den Fehler zu analysieren und ein paar Prüfskripte gestartet. Die brauchen ein wenig Zeit, die ich dazu genutzt habe, auf die Arbeit zu fahren.

Dort angekommen, habe ich verzweifelt versucht, die Datenbank wieder zum Laufen zu bekommen. Ich war von 7:00 Uhr bis um ca. 17:00 Uhr im Büro und habe versucht, was irgendwie möglich war. Am Ende aber ohne Erfolg. Und das Ganze ohne Pause, ohne etwas zu Essen, nur getrunken habe ich.

Auf dem Weg nach Hause hat mich das weiter beschäftigt...

Am nächsten Morgen wollte ich nicht aufstehen, ich hatte ziemlich schlecht geschlafen. Es ist mir einfach nicht gelungen, loszulassen.

Und dann kam die Angst!

Was ist, wenn du heute auf die Arbeit gehst, und das Problem nicht lösen kannst? Angst, Panik und was da sonst noch alles in mir aufgestiegen ist. An diesen Morgen kann ich mich nur noch schemenhaft erinnern. Aber dann kam auch der Punkt, an dem ich mir selbst eingestanden habe, dass ich wieder Hilfe brauche.

Zu meinem Hausarzt wollte ich nicht gehen, auch wenn der mich sicherlich Krank geschrieben hätte. Er kennt ja meine Geschichte ziemlich gut. Aber diesmal wollte ich es richtig machen. Erst zum Psychologen, dann zur Psychotherapie. Also habe ich mich ans Telefon gesetzt und alles abtelefoniert, was ich im Umkreis gefunden habe. Und so habe ich tatsächlich für den nächsten Tag einen Termin bekommen.

Als ich früh dort aufgetaucht bin, musste ich erst einmal warten, lange warten. Aber das war in Ordnung, ich hatte ja eh nichts besseres zu tun. Als ich dann zur Ärztin kam, hat sie mit mir ein sehr langes Anamnesegespräch geführt. Da habe ich mich richtig gut aufgehoben gefühltund habe ihr auch davon erzählt, dass ich wieder Selbstmordgedanken und Gewaltphantasien habe. Darauf hat sie geantwortet, dass sie weniger Bedenken hätte, das ich mir etwas antun könnte, sondern vielmehr dass ich vor lauter Anspannung hier auf den Tisch springe!

Erst da habe ich gemerkt, unter was für einem Druck ich eigentlich stand. Sie verschrieb mir Venlafaxin als Antidepressivum und nach etwas, das gegen Panikattacken hilft, was ich aber nie genommen habe. Und sie hat mich krank geschrieben. Erstmal für 2 Wochen. Den Rest hat mein Hausarzt wieder übernommen. Er hat mir auch dazu geraten, eine Wiedereingliederung zu machen. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, erst einmal wieder für ein paar Stunden ins Büro zu gehen.

Im Nachhinein betrachtet, hätte ich damals auch die Arbeitsstelle wechseln müssen aber dazu hatte ich nicht die Kraft, das zu fordern. Mein Arbeitgeber hat mich auch ein sehr gutes Feedback gegeben. Da habe ich mich etwas 'einlullen' lassen.

Wenige Monate später hat mein Hausarzt festgestellt, dass meine Nierenfunktion durch die Medikamente stark beinträchtigt wird. Er wollte das weiter beobachten. Da ich aber sowieso das Gefühl hatte, dass das Venlafaxin nicht wirklich wirkt, habe ich mich dazu entschlossen, die Tabletten einfach abzusetzen. Ich hatte die Pillen eh schon nicht mehr regelmäßig eingenommen. Daher war ich der Meinung, dur hast ja eh schon angefangen, auszuschleichen. Was für ein Fehler!

In den folgenden 3 Wochen hatte ich immer wieder Schwindelanfälle, die mir richtig Angst eingejagt haben. Im Nachhinein habe ich dann erfahren, dass es einfach Entzugserscheinungen waren, die aber zum Glück doch einigermaßen schnell wieder verschwunden sind.

Was mich im Nachhinein noch beschäftigt hat, war die Frage, wie ein einziger Arbeitstag dazu führen kann, dass ich wieder in das tiefe Loch hineinfalle? Die Frage war aber ganz einfach zu beantworten:

'Ich habe nicht auf mich aufgepasst, meine Gefühle zu lange ignoriert!'

Seitdem versuche ich einfach, besser auch mich zu achten und meinen Gefühlen den notwendigen Raum zu geben. Ja, einfach ist das nicht, aber es ist besser, als wieder in dieses Loch zu fallen!

Danke für's lesen!

Bis bald, euer Axel

Donnerstag, 21. September 2017

Frühwarnsystem

Während meiner depressiven Phasen habe ich mir oft und viel zu lange Gedanken gemacht. Die meisten Gedanken kreisen dabei um sich selbst. Aber einer hat sich dann doch als nützlich herausgestellt:

Wie wäre es, wenn ich mir ein Frühwarnsystem aufbaue, mit dem ich schon bevor ich in die Depression abrutsche, merke, dass etwas nicht in Ordnung ist? Einen Werkzeugkasten also, mit dem ich alles wieder 'reparieren' kann.

Eine schöne Idee, aber wie setzt man so etwas um? Eine Bekannte sagte mir, "ich nutze meinen Tinnitus. Wenn er besonders laut pfeift, merke ich, dass ich Stress habe und etwas nicht passt." Jemand anders riet mir, die Frage in einer Meditation zu formulieren und sehen, was der Körper antwortet. Solche Tipps habe ich viele bekommen, aber es hat alles nicht wirklich gepasst.

Also habe ich mich auf die Suche gemacht, mich beobachtet und mein Verhalten analysiert. In der Zwischenzeit ist da ein bisschen was zusammen gekommen, was ich benutzten kann:


  • Wenn ich Gewaltphantasien habe oder Suizidgedanken, dann ist Alarm angesagt. Das zeigt mir, dass mich jemand übervorteilt hat oder ich mich 'abgehängt' fühle. Es ist immer schwierig, das zu bearbeiten, aber inzwischen habe ich Übung damit.
  • Wenn ich anfange, Gummibärchen nicht mehr zu genießen, sondern Tütenweise zu essen. Das ist für mich ein Zeichen von Stress, der Kopf schreit nach Zucker!
  • Wenn ich mich auf nichts mehr konzentrieren kann. Das zeigt mir, dass ich dringend eine Pause brauche. Das ist etwas, was ich früher völlig ignoriert hatte. Pausen? Wer braucht denn sowas?
  • Wenn ich früh nicht aufstehen möchte. Ja, ich weiß, das will ja keiner wirklich. Bei mir ist das so, wenn ich nicht aus dem Bett will, dann muss ich wirklich darüber nachdenken und mir die Zeit nehmen, und nachfühlen, was lost ist. Das ist ein sehr subtiles Zeichen, aber es ist sehr zuverlässig. Damit bin ich schon einigen Problemen auf die Spur gekommen, bevor sie zu echten Kriesen wurden.
  • Prokrastination: Wenn ich merke, dass ich Dinge aufschiebe. Das mache ich an sich nur mit unangenehmen Dingen wie z.B. wenn ich mich Entschuldigen muss. Es fällt mir auch heute noch schwer, aber ich weiß, dass es nur schlimmer wird, wenn ich etwas auf die lange Bank schiebe. Und am Ende lache ich meist über mich selbst, weil es dann doch eher einfach war, das Aufgeschobene zu erledigen. Dieses Feedback an mich selbst ist dann auch wieder hilfreich, Dinge gar nicht erst aufzuschieben.
  • Wenn die Frage aufkommt 'Bin ich Gesund?' Dann ist das ein Zeichen, dass mein inneres Kind sich langweilt und sich die Zeit von früher zurück wünscht. Hier hilft eine Wanderung oder ein Spaziergang im Wald. Da gibt es so viel zu entdecken, dass mein inneres Kind wieder vor Freude hüpft. Oder auch einfach eine Plauderei mit Familie oder Freunden.

Natürlich löst das nicht alle meine Probleme, aber es hilft mir, sie zu erkennen und anzupacken. Wenn ich die Dinge nicht anpacke, kommen sie irgendwann nur noch schlimmer zurück. Das ist aber genau das, was ich vermeiden möchte.

Da hat sich doch in den Jahren ein schöner Werkzeugkasten angesammelt, der mir dabei hilft, nicht mehr in die Depression abzurutschen. Bis jetzt ist mir das auch ganz gut gelungen. Also in den letzten zwei Jahren jedenfalls. Davor war die Sammlung auch noch nicht so umfangreich und ich war nicht auf alle Fälle vorbereitet.

Auch heute wundere ich mich manchmal, wann und wie ich meine Werkzeuge anwenden muss. Manchmal sind es echt Kleinigkeiten. Lässt man die aber frei laufen, könne sie sich zu handfesten Problemen auswachsen. Das versuche ich natürlich zu vermeiden.

So, genug über mich geschrieben.

Wie sieht das denn bei euch aus? Was habt ihr denn in eurem 'Werkzeugkasten' so alles zu bieten?

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir was schreibt darüber.

Bis bald,

Euer Axel


Montag, 28. August 2017

Fragen über Fragen

Warum fühle ich mich im Moment nicht in Ordnung?Was ist grade los mit mir, in mir?

Warum sagt meine Frau, ich bin so unzufrieden, aggressiv, kurz angebunden?

Warum trinke ich so viel Bier und esse immer zu viel?

Warum brauche ich jeden Tag auf der Arbeit mindesten eine Tüte Gummibärchen?

Warum bin ich gerade in einem Krea-Tief?

Ich bin gerade schwierig, das merke ich selbst, aber warum ist das so?

Warum mache ich diese Phase durch?

Was ist anders als sonst?

Wozu ist das gut?

Zehn Fragen, die mir hier spontan eingefallen sind in nur einer(!) Minute. Das kann doch nicht normal sei, oder doch? Ok, noch eine Frage. Aber es reicht jetzt auch. Also, was mache ich jetzt damit? Jede einzelne beantworten? Nein, ich glaube es hat alles eine Ursache, aber was ist dann das Problem? (Schon wieder eine Frage!)

Also werde ich mal versuchen, mich dem Problem zu nähern. Beobachte ich mal die letzten Wochen, hat es Privat einen richtig dicken Streit mit meiner Frau gegeben. Der ist aber sicher nicht schuld, hat mir eher die Augen dafür geöffnet, dass etwas nicht stimmt. Und ich habe es wieder einmal selbst gar nicht bemerkt, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Vor zwei Tagen hat die Nachbarin, als ich sie freundlich gegrüßt hatte, gesagt “Na, Herr Nachbar, sind wir mal wieder besser gelaunt?” Zuerst empfand ich das als ziemliche Unverschämtheit aber nachdem ich mit meiner Frau darüber geredet habe, hat sie mir das 1:1 bestätigt.

Oops, da ist etwas mit mir im Gange, das ich selbst so gar nicht wahrnehme. Aber was genau läuft da schief?

Also schwenke ich mal auf einen anderen Schauplatz, meine Arbeit. Ich hatte da ja eine Vereinbarung mit meinem Chef und mit seinem Chef. Da mein Chef gerade im Urlaub ist, werde ich direkt von meinem Abteilungsleiter gesteuert. Und der scheint sich nicht im geringsten an unsere Abmachung zu erinnern. Das macht mich ziemlich wütend und ich habe angefangen, “Dienst nach Vorschrift” zu machen. Naja, eigentlich ist es ja eher so, dass ich bewusst Arbeit liegen lasse um eine Eskalation hervorzurufen. Dann merken meine Chefs ja, das ich nicht mehr alles mache und fragen vielleicht mal nach. Aber nein, ich habe den Eindruck, das stachelt ihn erst recht dazu an, mir neue Projekte zu geben. Und wie fühle ich mich dabei?

URLAUBSREIF!

Was anders fällt mir dazu nicht ein. Ich bräuchte dringend Abstand von meiner Arbeit. Also ist es wieder die Arbeit, Die mich wütend und ‘unleidig’ werden lässt? Ja, ich befürchte es. Aber was mache ich damit jetzt?

Der erste Impuls ist, alles hinzuschmeißen. Ich bewerbe mich woanders. Sollen sie doch sehen, wie sie ihren Scheiß alleine machen. Ich wünsche mir insgeheim, meinen Chef-Chef mal richtig auf die Schnauze fallen zu sehen. Aber das kann es nicht sein, so bin ich doch nicht? Normal wünsche ich keinem Menschen etwas schlechtes, auch meinen (sehr wenigen echten) Feinden nicht!

‘So viel gelernt und doch nichts kapiert!’ schießt mir durch den Kopf. Wer spricht da? Mal sehen, da versucht jemand mir die Schuld an meiner Situation zu geben. Das kann eigentlich nur meine Depression sein. Du bist jetzt mal ganz ruhig, OK?

Was bleibt mir jetzt noch übrig?

Schreiben! Go and Create! Einfach Machen!

Egal, wie ich es nenne, aber im Moment hilft nichts, außer darüber zu reden, oder schreiben. Meine Frau möchte ich damit nicht belästigen, obwohl sie mir wahrscheinlich zuhören würde. Aber wenn ich im Moment über meine Arbeit Rede, werde ich ziemlich schnell laut und erhitzt. Dafür sollte ich ein anderes Ventil finden. Auch Alkohol und Fressen ist keine Lösung.
Deshalb schreibe ich hier wieder einmal einen Roman, auch wenn ich mir noch nicht einmal sicher bin, ob ich das jemand veröffentlichen werden. Naja, bis jetzt habe ich ja noch nicht viel ausgesagt und niemanden beleidigt. Das ist auch etwas wert.

Wenn ich mir die Situation mal genau anschaue, dann habe ich jetzt erstmal vier Tage Arbeit.  Die gehen irgendwie rum. Danach bin ich auf einem Zeichnertreffen in Eutin an der Ostsee. Dort habe ich mir vorgenommen, wenigstens mal für zwei Stunden ans Meer zu gehen. Danach habe ich wirklich richtig Se(e)hnsucht. Dann nochmal vier Tage Arbeit und dann habe ich

URLAUB!

Ja, es sind zwei Wochen. Ich helfe in der Zeit beim Umzug meiner Tochter und freue mich auf ein paar Tage mit ihr zusammen. Vielleicht fährt sie ja danach ein paar Tage mit zu uns nach Hause. Das ist noch nicht ganz klar. Aber ich komm raus, mach mal wieder was mit den Händen, kann sehen, was ich erreicht habe.

Wenn ich  aus meinem Urlaub wieder auf die Arbeit ‘darf’, hat sich meine Einstellung
vermutlich auch wieder ein wenig geändert und dann habe ich hoffentlich auch den Mut, das Thema auf der Arbeit wieder anzugehen.

Wichtig ist, dass ich mir in der Zwischenzeit bewusst mache, dass es da ein Problem gibt, dass ich angehen muss, wenn ich wieder die Kraft dazu habe. Und ich muss auf mich und meine Umwelt wieder besser Acht geben. Die wenigen Personen, die meine Freunde sind, möchte ich nicht vergraulen. Darin bin ich momentan gut, im vergraulen.

Hat sich dadurch jetzt auch nur eine der Fragen vom Anfang geklärt? Nein, ich glaube nicht, aber mir geht es trotzdem besser, weil ich mich mir selbst wieder einmal ein Stück geöffnet und mich  meinen Problemen genähert habe. Das ist auch einer der Gründe, warum ich glaube, dass meine Depression keine Chance mehr hat.

Während ich diesen Text schreibe, habe ich die Stöpsel im Ohr und höre ‘The Therory of Everything’ von Ayreon. Ich finde das Album so toll, weil die einzelnen Stücke eine Geschichte erzählen. Auch musikalisch ist das Album toll gemacht.



Bis bald,

Euer Axel


Donnerstag, 17. August 2017

Fantasiereise

Die Farben meiner Fantasie
Heute habe ich einen Spaziergang in den Wald unternommen. Nun, das ist erst einmal nichts ungewöhnliches. Ich bin gerne im Wald und genieße die Geräusche und Gerüche dort. Heute konnte ich Vögel hören, die schimpften, als ich näher kam, Grillen,  die ganz entfernt gezirpt haben und auch die Autobahn konnte ich hören, die direkt durch den Wald verläuft. Die Gerüche im Wald sind mir fast noch wichtiger. Wenn es feucht ist, kann man das modrige und die Pilze im Wald besonders gut riechen. Das war heute nicht der Fall. Heute hat es eher nach Blüten gerochen, aber nur ein ganz kleines bisschen.
Die Achtsamkeit auf den Wald im Hier und Jetzt richten. Das ist das, was ich dort suche. Im Alltag fällt mir das schwer, aber im Wald gibt es viel zu entdecken, deshalb tue ich mir mit der Achtsamkeit dort viel leichter. Das soll aber nicht heißen, dass ich das wirklich gut kann. Natürlich bin ich ständig abgelenkt.
Ein mächtiger Gegenspieler der Achtsamkeit ist meine Kreativität. Sie verbindet das gehörte, gesehene und auch das gebrochene zu immer neuen Ideen und schwups, ist die Achtsamkeit wieder vorbei. Aber das ist nicht schlimm, den ich habe inzwischen gelernt, dass das auch gut so ist. Ohne meine Kreativität könnte ich mich nicht künstlerisch betätigen. Und da würde mir wirklich etwas fehlen!
Kurz bevor ich den Wald wieder verlassen wollte, habe ich einen Baumstamm am Wegrand gesehen. Es war der Stamm einer wirklich alten Eiche. Ich habe mir überlegt, dort ein wenig sitzen zu bleiben und einfach mal 5 Minuten nichts zu tun.

Es fühle sich innerhalb kürzester Zeit sehr vertraut an, dort zu sitzen, auf dieser Eiche. Ich stellte mir vor, wie meine Hände und Füße plötzlich anfingen, sich im Waldboden und in der Eiche zu verwurzeln. Ich versuchte mir vorzustellen, was ein Baum fühlt? Friere ich im Winter oder spüre ich nur den Frost, damit ich meine Blätter abwerfen kann. Wie fühlt es sich im Sommer an, wenn die Energie der Sonne von mir aufgenommen wird und durch meinen Stamm und die Äste fließt.
Es fühlte sich alles so stimmig an. Und plötzlich schließt sich der Kreis.
Ich habe schon lange den Wunsch, in einem Friedwald beerdigt zu werden. Mein Körper würde von dem Baum aufgenommen und in ihm wieder zum Leben erweckt werden. Ja, das ist wirklich Wiedergeburt.  Nicht das, was uns die Bibel erzählt. Das ist ja bestimmt auch nur ein Gleichnis,  das wir aus unserer Sicht heute ganz anders verstehen können. Aber mein Ausflug in das Reich der Fantasie erklärt mir, warum ich in den Friedwald will, warum ich mich im Wald so wohl fühle. Vielleicht war ein Teil von mir früher schon einmal ein Baum und sehnt sich daher nach der Nähe der anderen Bäume?
Ich werde es wohl nie erfahren, aber die Vorstellung gefällt mir sehr.
Als Zeichner und Maler habe ich natürlich auch Bilder von meinen Fantasien im Kopf und werde diese sicherlich irgendwann einmal zu Papier bringen. Aber jetzt schreibe ich erst einmal meine Fantasiereise auf und freue  ich daran, ein Stück von mir besser kennen gelernt zu haben.

Ihr glaubt, ich bin verrückt? Das mag sein, aber das sind eben die Dinge, die in meinem Kopf passieren. Ich kann damit inzwischen sehr gut leben.

Bis bald,
Euer Axel