Mittwoch, 7. Dezember 2016

Wieder mal Gefühle

Am Montag hatte ich seit langer Zeit endlich meine erste Sitzung bei meinem Psychotherapeuten. Da ist bei der Beantragung viel schief gelaufen und ich musste fast 4 Monate warten, bis ich endlich regelmäßige Termine bekommen habe.

Die Ziele der Therapie hatten wir ja schon bei den probatorischen Sitzungen ausgearbeitet:


  • Konfliktfähigkeit verbessern
  • Gefühle wieder besser wahrnehmen

Hört sich erstmal nach nichts Großen an, ist für mich aber beides enorm wichtig. 

An meiner Konfliktfähigkeit hatte ich selbst schon in den letzten Monaten fleißig gearbeitet und an Stellen, wo ich sonst meinen Mund gehalten hätte, auch mal was kritisches gesagt. Wir haben beispielsweise einen Kollegen im Büro, der unter Streß anfängt, an Allem und Jedem rumzunörgeln. Neulich war es wieder mal soweit und als ich merkte, dass da auch richtig Wut bei mir hochkommt, habe ich den Mund aufgemacht und zu ihm gesagt, Er soll damit aufhören und nicht andere für seinen Ärger verantwortlich machen!

Die Reaktion war für mich überraschend. Eigentlich hatte ich erwartet, jetzt eine volle Breitseite abzubekommen aber as kam ... NICHTS! Er hat mich entsetzt angesehen und hat einfach nichts gesagt, nur noch ein wenig vor sich hingemurmelt. Eine Kollegin, die von seinem Verhalten auch total genervt ist, hat mir später erzählt, dass er sich bei ihr über mich versucht hat auszukotzen, aber sie meinet einfach 'Er hat aber recht'. Damit war das auch vorbei. Was schade ist, dass mich der Kollege jetzt gar nicht mehr ansieht. Auf dem Flur haben wir uns getroffen und er hat demonstrativ weggeschaut. Damit kann ich aber leben, weil ich mit dem Kollegen an sich wenig Berührungspunkte in meiner Arbeit habe. Positiv war aber, dass wir den ganzen Tag ziemlich Ruhe hatten vor ihm.

Eigentlich dachte ich später noch, dass ich das ja aus einem Gefühl heraus gemacht hätte, nämlich meiner Wut, aber ich durfte lernen, dass Wut kein Gefühl ist. Naja, mal kann nicht alles auf einmal haben.

Mit den Gefühlen ist das bei mir so eine Sache. Tatsächlich spüre ich Gefühle, aber häufig erst wenn sie sehr stark werden. Wenn sie noch ganz schwach sind, nehme ich sie einfach nicht wahr.

Was ich dagegen während der Meditation sehr gut wahrnehmen kann, sind Muskelspannungen. Und genau da setzt nun mein Therapeut an. Er erzählte mir, das es für die Beschreibung von Gefühlen so viele Bilder gibt, die eben genau das aufnehmen:
  • las den Kopf nicht hängen
  • das macht mir Kopfzerbrechen
  • du bist aber hartnäckig
Wenn ich nun genau da ansetze und zu den Muskelspannungen die passenden Beschreibungen finde, habe ich einen Weg um meine Gefühle besser wahrzunehmen und dann auch wieder im Alltag schneller zu erkennen. Er riet mir auch dazu, mal auf meinen Solar Plexus zu hören, indem ich die Hand auf die Magengrube lege beim Meditieren. Das habe ich heute früh zum ersten mal ausprobiert und das Ergebnis war eher unerwartet.

Meine Hands war sehr Warm und hat die Wärme auch auf den Solar Plexus, ein zentrales Nervengeflecht, gelenkt. Das hat sehr dankbar darauf mit angenehmen Empfindungen reagiert. Hat mich das bei meinen Gefühlen weitergebracht? Nein, erst einmal nicht, aber das kann ja noch kommen. Auch mit dieser Region werden sehr viele Ausdrücke von Gefühlen verbunden:
  • Liebe geht durch dan Magen (damit ist nicht Essen gemeint)
  • Welche Laus ist dir über die Leber gelaufen?
  • Mit ist ganz flau vor Angst
Für mich bedeutet das nun, dass ich mir eine Art Lexikon erstellen kann, mit dem ich aus den körperlichen Empfindungen auf meine Gefühle schließen kann. Das hat heute früh auch schon gut funktioniert. Ich kämpfe ja diese Woche mit einer Halsentzündung und finde das Warten und 'nichts tun können' so nervenaufreibend. Heute früh habe ich bemerkt, dass ich mit hängenden Schultern und vorne übergebeugtem Kopf dasitze und auf den Tisch stiere. Ja, ich glaube, ich fühle mich im Moment frustriert und auch deprimiert. Aber es mischt sich auch ein bisschen Freude mit hinein, weil ich das erkannt habe. Wie ich die Freude erkannt habe? Die kam eher vom Kopf als vom Gefühl, glaube ich.


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