Freitag, 20. Januar 2017

Sich den Misserfolg einfach mal gönnen



Wie jetzt? Misserfolg? Ein Wort, das in unserer Gesellschaft nicht wirklich gut ankommt. 'Ich habe Erfolg' heißt die Devise und es gibt so viele selbsternannte 'Erfolgsgurus' die uns alle einreden wollen, dass wir doch alles schaffen könnten, wenn wir nur fest daran glauben.

Und was mache ich daraus? Ich pfeif' drauf und erwarte für den Februar bei einer Prüfung, dass ich sie nicht schaffe! Natürlich bereite ich mich auf die Prüfung vor und ich würde mich auch tierisch freuen, wenn ich die schaffe. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass das klappt ist eben recht gering. Das hat damit zu tun, dass bei dieser Prüfung Wissen abgeprüft wird, das man sich normal nur aneignet, wenn man das Thema 6 Monate ununterbrochen studiert oder die letzten zwei Jahre damit praktisch gearbytet hat. Beide trifft auf mich nicht zu und deshalb bereite ich mich auf mein Scheitern vor.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da glaubte ich wirklich, ich könnte alles schaffen. Ich habe bis zu meinem 30. Lebensjahr keine wichtige Prüfung versemmelt, alles immer auf Anhieb erledigt, abgehackt. Bis dann irgendwann... ja, ich eine Prüfung verpatzt habe. Das war ein Schock für mich, eine Welt ist zusammengebrochen! Ich, eine Prüfung nicht geschafft? Das hat es ja noch nie gegeben. Ich habe mich vor mir selbst geschämt.

Ja, es hat ein wenig gedauert, bis ich mich davon wieder erholt hatte. Ich habe die Prüfung erst ein Jahr später widerholt und, natürlich, bestanden. Erst in den letzten Jahren ist mir klar geworden, welche wetvolle Erfahrung ich machen durfte. Ich durfte scheitern! Heute stehe ich wieder kurz vor dieser Prüfung und sage mir 'Ich gönne mir ein Scheitern!'

Da die Prüfung für meinen Arbeitgeber wichtig ist, kann es sogar passieren, das sich mein Arbeitsumfeld verändern wird, obwohl ich davon nicht ausgehe. Nein, davor habe ich gar keine Angst. Ganz im Gegenteil! Ich würde mich freuen, wenn mein Arbeitgeber reagiert und mich in einem anderen Umfeld einsetzt, insgeheim wünsche ich mir das sogar.

Bis es Ende Februar aber soweit ist, muss ich doch noch viel lernen und mir graut jetzt schon vor der Stoffmenge, die ich durcharbeiten muss.  Meine Konzentration ist noch immer nicht so, wie es vor der Depression war. Trotzdem gebe ich mein Bestes.

Bis bald,

Euer Axel

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