Freitag, 14. April 2017

Mein Leben mit der Depression (Teil 2)


Hallo,

wer es noch nicht gelesen hat, fängt am Besten bei Teil 1 an.

Was nun kam, war eine Behandlung der seltsamen Art. Die Psychologin erklärte mir, das ich an meiner Depression ja gar nicht selbst schuld bin und es handle sich dabei um ein chemisches Problem in meinem Gehirn. Ich wurde ausführlich über Neurotransmitter und deren Wirkungsweise aufgeklärt und habe zumindest ein paar Begriffe behalten, die ich im Nachgang googeln konnte. 

Die Idee, dass ich da ja gar nichts für kann, war am Anfang verlockend. Das bedeutete nämlich auch, dass ich auch nichts GEGEN die Depression tun muss. Das erledigen alles die Medikamente. Sie fragte mich auch nicht, ob ich weiterhin krank geschrieben bleiben wollte. Ich ging also einfach wieder auf die Arbeit. Die hat mich auch die ersten Tage wieder ein bisschen abgelenkt.

Dann kam der Tag, an dem ich anfing, über die Depression und die Medikamente und die Neurotransmitter nachzudenken. Wenn das in meinem Gehirn nur chemische Vorgänge sind, was macht dan eigentlich mich als Persönlchkeit aus? Ein bisschen Chemie? Damit liese sich meine Persönlichkeit mit ein paar chemischen Formeln ausdrücken. Und wo bleibt der freie Wille? Moleküle haben keinen Willen. Sie folgen Gesetzmäßigkeiten! Also eine Sackgasse im Denken. Aber es hat mich weiter beschäftigt.

Was ich mir in der Zwischenzeit nicht angeschaut habe, waren die Beipackzettel meinen Medikaments. Ich hatte Citalopram, einen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, bekommen und beschloss, das erst zu tun, wenn irgendwelche seltsamen Dinge passieren, die ich als Nebenwirkungen einstufen würde. Da ist aber erst einmal nichts passiert.

Eines schönen Frühlingsmorgens ist dann etwas passiert, an das ich mich noch sehr genau erinnern kann. Am Vortag gab es einen Streit in der Familie. Ich habe auf der Fahrt zur Arbeit über diesen Streit nachgedacht und dann kamen sie mit voller Wucht...

... die Gedanken an Selbstmord!

ich war erst erschrocken, wurde immer ängstlicher und am Ende hatte ich eine Panikattacke! Dazu kam noch Herzrasen und ich glaubte, ich muss gar nichts mehr tun, um Suizid zu begehen. Das geht jetzt eh von selbst zu Ende. Was für ein Gefühl.

Mir fiel ein, dass meine Psychologin mir gesagt hatte, wenn irgendetwas ist, soll ich anrufen. Das tat ich dann auch und 15 Minuten später saß ich bei ihr in der Praxis. Erst haben sich die Sprechstundenhilfen um mich gekümmert und später die Psychologin. Die Erklärung, dass viele Patienten im Frühjahr (es war April) Suizidgedanken bekommen, half mir gar nicht weiter, aber das wollte sie gar nicht wissen. Sie beschloß, mir noch ein weiteres Medikament zu verabreichen.

Ich bekam Mirtazapin verschrieben...

War es die Kombination der beiden Präparate oder eines der beiden? Ich weiß es nicht. Jedenfalls mutierte ich zum Zombie: Aufstehen, Arbeiten, Essen, Schlafen. Sonst gab es nichts mehr. Das schlimme daran war aber, dass mir das nicht aufgefallen ist. Für mich ging das Leben einfach weiter. Das die Zeit ziemlich schwierig war, hat mir meine Frau erst viel später erzählt. Dazu kamen noch Libidostörungen und ein Tinnitus. Beides hat nicht unbedingt zur Verbesserung meiner Depression beigetragen. Erst, nachdem ich die Medikamente ca 9 Monate eingenommen hatte, bin ich langsam wieder aus meinem Zustand aufgewacht und habe meiner Psychologin 'Das Messer auf die Brust gesetzt'. Entweder sie hilft mir, die Medikamente abzusetzen, oder ich tue das auf eigene Verantwortung. Sie konnte nicht mehr anders. In der Zwischenzeit hatten sich dann auch die Leberwerte dramatisch verschlechtert und ich habe 15 Kilo zugenommen.

Durch das ausschleichen habe ich endlich verstanden, in welcher Lage ich mich befinde und versucht, wieder einen Weg zurück ins Leben zu finden. DASS war, nach meinem Empfinden, der schwierigste Teil überhaupt. Die Medikamente haben die Realität von mir fern gehalten. Damit musste ich jetzt Zug um Zug wieder selbst fertig werden. Das mich das nicht gleich wieder zurück in die Depression geworfen hat, habe ich vor Allem meiner Frau und einer Bekannten zu verdanken, die ebenfalls an Depressionen erkrankt ist.

Aus meiner heutigen Sicht kann ich nur sagen, dass ich völlig falsch behandelt wurde und eine Medikamentengabe OHNE Psychotherapie völliger Unfug ist. Auch die Aussage, dass ich zu meiner Depression selbst nichts kann, ist nicht richtig. Ich habe in der Zwischeneit gelernt, welches Verhalten mich in diese Lage gebracht hat und auf was ich in Zukunft aufpassen muss. Ach ja, den Tinnutus von damals habe ich übrigens noch immer und manchmal ist er mir sogar nützlich. 

Das war es erst einmal für heute. Ich kann euch aber verraten, das die Geschichte damit noch lange nicht am Ende ist. Hoffentlich seid ihr schon neugierig auf die Fortsetzung.

Wenn ihr wollt, könnt ich mir ja gerne hier folgen und Komentare hinterlassen. Ich würde mich sehr darüber freuen.

Ihr findet mich auch auf Twitter als Glueck2014

Bis Dann,

Eure Axel



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