Donnerstag, 6. April 2017

Mein Leben mit der Depression (Teil 1)

Wie Alles angefangen hat

Schon lange bevor ich das geschrieben habe, dachte ich “Mensch, schreib doch mal auf, wie alles angefangen hat”. In den Monaten meiner eigenen Depression habe ich so viel von anderen Depressionspatienten und von Spezialisten gelesen, wie man eine Depression heilt, lindert oder auch ignoriert. Aber wie das anfängt, erzählt irgendwie kaum jemand.

Und ich kann euch auch sagen, wieso das so ist. Eine Depression hat nämlich gar keinen Anfang. Wenn mir jemand sagen würde, “Ja, meine Depri hat vor genau 2 Wochen angefangen. Da ist das und das passiert und seitdem bin ich Depressiv.”, dann könnte ich locker antworten, versuche erstmal zu verstehen, was wirklich mit dir passiert und denke mal nach, was vorher schon da war und dazu geführt hat, dass dieses Ereignis für dich den Auslöser darstellt.
Lange Zeit habe ich den Beginn meiner Depression an zwei Ereignissen festgemacht. Diese Zwei Ereignisse haben in den beiden wichtigsten Bereichen in meinem Leben stattgefunden. Der erste Lebensbereich ist meine Arbeit. Immerhin verbringe ich dort 40 Stunden in der Woche und damit fast soviel Zeit, wie im Bett. Meine Arbeit ist mir wichtig. Ich hole mir dort Bestätigung,  kann dort kreativ sein und bin ein gefragter Gesprächspartner und Problemlöser. Eines Tages war es tatsächlich soweit, dass ich nach 3 erfolglosen Versuchen zum Teamleiter aufsteigen konnte. Ich habe die Chance beim Schopf gepackt und war 3 Monate Teamleiter, bis mir mein eigentlicher Chef, von dem ich noch nicht einmal wusste, mir gesagt hat, das ist alles Blödsinn und ich bin ein ganz normales Teammitglied!  Bämm!

Das war nicht so leicht zu verarbeiten weil ich verstanden habe,  dass ich massiv ausgenutzt wurde. Aber anstatt mich aufzuregen, habe ich schön weiter funktioniert, habe sogar die Arbeit des Teamleiters weiter gemacht.
Zu dieser Zeit haben meine Kopfschmerzen angefangen. Immer früh auf dem Weg zur Arbeit ging das los und hat nicht wieder aufgehört. Aber das war nicht so schlimm und damit kann man ja weiter arbeiten.

Kurze Zeit später musste meine Frau an der Bandscheiben operiert werden. Für sie war das ein Schock und ich habe versucht, ihr dabei zur Seite zu stehen, so gut es eben ging. Helfen tue ich immer gerne. Meine Kopfschmerzen habe ich dabei ignoriert, weil ich ja nicht ausfallen durfte. Jemand muss sich ja um die Kinder kümmern, solange meine Frau im Krankenhaus liegt und danach ja auch noch, denn sie darf ja nichts heben, wenn sie wieder nach Hause kommt. Mein Chef will außerdem auch seinen Teil von mir. Warum sollte die Arbeit darunter leiden, wenn man eine Familienkrise zu bewältigen hat?
‘Also immer schön funktionieren’ habe ich mich selbst angetrieben.
Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich überhaupt keine Motivation mehr hatte, früh aus dem Bett aufzustehen. War ja auch klar, weil ich einen Job machte, der nicht mein eigener war. Auch alle anderen, alltäglichen Sachen waren so schwierig zu schaffen und brauchten immer mehr Kraft und eine gigantische Willensanstrengung, um erledigt zu werden. Den hohen Kraftaufwand bezahlte ich damit, dass ich jeden Tag 10 Stunden schlief.
Der Tag bestand also aus Aufstehen, sich um die Kinder kümmern, auf die Arbeit gehen, Essen und wieder schlafen. Keine Zeit für Hobbys, Freizeit oder lauter so unnütze Sachen.

Und natürlich waren die Kopfschmerzen immer noch da. Mein Großvater hatte einen Hirntumor,  deshalb ging ich zum Arzt. Es folgte Untersuchung auf Untersuchung und ich konnte einfacher die Ärzte nennen, bei denen ich noch nicht war, weil die Liste immer länger wurde. Organisch war ich gesund, das stand irgendwann fest.

Bilde ich mir das nur ein? 
Bin ich ein Hypochonder? 
Oder werde ich jetzt verrückt?

Ein Neurologe war es, der nach fast einen Jahr die Diagnose stellte, das ich an Depression leiden könnte. Eine Psychologin bestätigte die Diagnose 2 Wochen später mit dem Satz “Na, das hätten sie doch auch selbst merken Können, das ist doch wirklich eindeutig!”

Eigentlich hätte ich an der Stelle aufstehen und gehen sollen, denn was dann kam war nicht viel besser, als die Depression.

Euer Axel

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