Montag, 1. Mai 2017

Mein Leben mit der Depression (Teil 3)

Hallo ihr da drausen!


Vielen Dank, für den vielen positiven Zuspruch, denn ich auch auf meinen letzen Blogeintrag wieder bekommen habe. Es zeigt mir, dass ich weiter machen muss, für euch und nicht zuletzt auch für mich selbst.

Allerdings fällt mir der dritte Teil doch viel schwerer, als ich das erwartet hatte. Das liegt zum eine daran, dass mir das, was da passiert ist, wirklich sehr weh getan hat. Zum Anderen liegt es daran, dass es nicht nur mich betroffen hat, sondern meine ganze Familie. Ich schreibe hier ja nur für mich, von mir und möchte andere Personen raushalten. Vielleicht wollen die das ja gar nicht, dass ich über sie schreibe. Es wird also ein bischen vage, was ich da von mir gebe aber ihr werdet das verstehen, da bin ich mir sicher.

In der Folge zwei meiner Geschichte habe ich ja geschrieben, wie ich meine erste Depression überwunden und die Medikamente los geworden bin. Das hat auch einige Zeit gehalten. Aber dann ist etwas schreckliches passiert. Wenn ich heute daran denke, bekomme ich immer noch ein komisches Gefühl und wie das alles so schief gehen konnte, ist mir nicht wirklich vollständig klar.

Ich kann hier nur soviel schreiben, dass meine Familei regelrecht 'explodiert' ist. Und wie das bei einer Explosion so ist, fliegen alle Teile in unterschiedliche Richtungen weg! Das war schrecklich. Jeder war plötzlich mehr oder weniger auf sich alleine gestellt. Näher will ich das gar nicht beschreiben. Die Gründe dafür habt ihr ja oben schon gelesen.

Meine Welt ist in Dunkelheit und Tränen versunken. Ich war am nächten Tag bei meinem Arzt und der hat mich erst einmal wieder 4 Wochen krank geschrieben. Er war übrigens auch geschockt, als ich ihm erzählt hatte, was passiert ist.

... Nachdenken...
... Wechsel in den Funktionsmodus...
... tun, was zu tun ist...
... nur nicht Nachdenken!

Einige Nachbarn haben mir Hilfe angeboten, aber ich wusste gar nicht, was ich ihnen sagen sollte. Mir war im Sinne das Worte 'einfach nicht zu helfen'. Da war keine Idee, was mir all die Leute gutes tun könnten. Ich wollte einfach nur meine Ruhe haben. Aber statt dessen musste ich 'funktionieren'. Das kennen viele, die an Depression erkrankt sind, wie ich inzwischen erfahren habe.

In dieser Zeit habe ich etwas gelernt. Je mehr ich untätig herumsitze, desto schlechter geht es mir. Ich bin ein Macher, ich muss etwas tun, egal für wen, egal was! Hauptsache machen! Also habe ich mir eine Psychotherapiestelle organisiert. Das war zwar mit viel telefonieren verbunden, aber nach wenigen Tagen hatte ich zwei Zusagen für die probatorischen Sitzungen. Die Termine waren auch einigermaßen zeitnah. Medikamente wollte ich keine mehr nehmen, auch nicht 'unterstützend' zur Therapie.
Was ich noch gefunden habe, war eine Selbsthilfegruppe in der Nähe. In dieser Zeit hat mich auch jemand wieder zum Malen animiert. Darüber hatte ich ja auch schon geschrieben.

Nach vier Wochen und ganz viel Zeit mit allen Familienmitgliedern (leider oft jeweils nur einzeln) konnte ich anfangen, wieder nachzudenken. Das war ganz schön schwierig. Da hat mich die Situation nochmal mir voller Wucht getroffen. Aber es hat sich auch gezeigt, dass es eine Aussicht gibt, dass die Familie nicht komplett zerbricht.

In der Zwischenzeit habe ich mit meinem Chef über Wiedereingliederung gesprochen, eine Infusionstherapie gegen meinen Tinnitus gemacht, die leider Erfolglos war, viele Spaziergänge alleine oder zu zweit unternommen, viel gemalt, ganz viel geredet und die ersten Therapiestunden absolviert.

Die Aussichten waren also gar nicht so schlecht, deshalb habe ich auch mit der Wiedereingliederung nach 7 Wochen Auszeit begonnen. Nach der 6 Sitzung bei der Psychotherapeutin habe ich mal vorsichtig gefragt, wie das denn mit einer Therapie aussieht und ERST DANN hat sie mir etwas gesagt, was ich bis heute nicht vergessen habe:

'Sie brauchen keine Therapie, sie brauchen Lebenshilfe!'

Und Tschüß! Keine Therapie, 6 Sitzungen für die Katz'. Und da war auch das schwarze Loch wieder, in das sich mein Verstand so gerne zurückzieht, wenn er etwas nicht wahr haben will! Was mir an dieser Stelle wirklich geholfen hat war zum einen die Selbsthilfegruppe. Dort wurde ich wirklich sehr gut aufgenommen und konnte über meine Probleme reden. Und mir wurde Verständnis entgegengebracht. Ich durfte erfahren, dass die Probleme in unserer Familie gar nicht so ungewöhnlich waren und auch andere damit kämpfen.

Was mir noch geholfen hat, war meine Familie. Wie jetzt? Die war doch explodiert! Ja, aber wir haben die Verbindungen nie wirklich abreißen lassen, auch wenn das manchmal wirklich schwierig war, und haben immer wieder geredet und uns getroffen. Nach 5 Wochen war die Familie fast wieder vereint. Eine weitere Therapie habe ich auch nicht versucht zu bekommen. Mir ging es nach und nach wieder besser und die Arbeit hat mich auch wieder abgelenkt. Das würde ich im Nachhinein als einen großen Fehler sehen, den ich gemacht hatte. Ich habe wieder nicht genug für mich gesorgt und gedacht

'Ach komm, geht wieder!'

Was mich lange nicht wirklich los gelassen hat, waren die Hilfsangebote, die ich nicht genutzt habe, ja nicht nutzen konnte. Es hat eine Weile gedauert, bis ich begriffen habe, was ich gebraucht hätte: es waren Gespräche und Zuwendung. Heute ist mir das klar.

Ich möchte noch sagen, dass ich diese Erfahrung meinen schlimmsten Feinden nicht wünsche. Heute weiß ich aber, das einige meiner Freunde und Bekannten ähnliche Probleme haben in ihrer Familie. Nach außen hin spielen aber alle 'heile Welt'. Es ist so schade, dass in unserer Gesellschfaft nicht sein kann was nicht sein darf. Die Familie ist ein schützenswertes Gut und hat zu funktionieren! Tut sie aber oft nicht...

Danke fürs Lesen!

Bis bald, euer Axel

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