Dienstag, 13. Juni 2017

Glücksgefühle

Hallo,

wie ihr hier vielleicht schon gelesen habt, male und zeichne ich ganz gerne. Irgendwann im vorletzten Jahr war ich dann mal auf einer Ausstellung von regionalen Künstlern und da hatte ich mir gedacht 'Wäre das nicht auch mal was für dich?'
Naja, von der Idee bis zur Umsetzung hat es ein wenig gedauert und ich musste auch erst meine vielen Selbstzweifel überwinden. Denn, ich war mal wieder der Meinung, das was ich mache ist nicht gut genug! Wie komme ich nur immer wieder auf diese bescheuerten Idee? Warum sollte meine Kunst nicht gut genug sein? Leider kann ich das noch immer nicht sagen, wo diese bohrenden Selbstzweifel herkommen aber sie sind ganz schön hartnäckig!

Trotzdem habe ich dieses Jahr einfach mal den Schritt gewagt und bin aus meiner kleinen, geschützten Welt meines Schreibtisches herausgekrochen und habe mal gaaaaanz vorsichtig über den Tellerrand hinausgeschaut.

Schon bei der ersten Vorbesprechung bin ich sehr herzlich empfangen worden 'Ah, Sie sind der neue! Schön dass sie da sind, wir freuen uns.' Da dacht ich mir sofort wieder 'Ihr wisst ja noch nicht, was ich da zeigen will.' Danach gab's noch einen Vor-Ort Termin, wo die Ausstellung stattfinden sollte. Es gab auch da keine Streitigkeiten (den Platz will aber ich haben!), alles lief recht harmonisch ab.

Den Pressetermin konnte ich leider nicht wahrnehmen, an dem Tag war ich auf Seminar. Aber ich fand das nicht so schlimm, denn ich wurde im Artikel trotzdem erwähnt. Ab da wurde es ernst, jetzt gab es kein Zurück mehr ohne Gesichtsverlust! Bis eine Woche vor der Ausstellung war ich aber immer noch einigermaßen ruhig.

Aber dann ging das los! Ich wurde nervös, weil ich verpasst hatte, einen Flyer und Visitenkarten zu drucken. Also habe ich die kurzerhand 'schnell' erstellt und selbst ausgedruckt. Dann noch Gedanken machen, was ich überhaupt zeichnen will, Halter für meine Skizzenbücher gebastelt, und, und, und. Am Ende war ich fast drei Tage mit der Vorbereitung beschäftigt und war mir noch viel unsicherer als zuvor, ob ich nicht etwas falsch gemacht oder vergessen hatte.

Dann kam der Tag des Aufbaus. Ich war so nervös, dass ich kaum einen vernünftigen Handgriff zustande bekommen habe. Einige Künstler hatten schon vor mir aufgebaut und das sah alles so professionell aus. Also ran ans Werk und loslegen. Nach etwa einer Stunde hatte ich das wichtigste aufgebaut, war aber nicht damit zufrieden. Also wieder umbauen, und nochmal umbauen. Irgendwann habe ich mir gesagt 'lass es doch einfach so!'


Dann kamen die ersten Künstler zu mir und wollten sehen, was ich so zeige.

'Toll', 'Das ist echt gut', 'Schön, dass du bei uns bist', ...

Hoppla, bin ich gelobt worden? Ja, schon irgendwie. Sogar ganz direkt! Und plötzlich war da ein Gefühl, das ich schon einige Zeit nicht mehr so intensiv gespürt hatte: Es war Glück!

Ein weinig später hat dann die Depression eingegriffen und mir versucht zu sagen, dass die ja keine Ahnung haben und außerdem dir nur schmeicheln wollen. Bestimmt sagt mir keiner die Wahrheit direkt ins Gesicht.

Selbstzweifel sind etwas schreckliches! Aber an diesem Punkt konnte ich sie besiegen. Ich zeichne ja unter Anderem auch Porträts. Dabei habe ich gelernt, den Leuten ins Gesicht zu schauen und die Stimmungen und Gefühle zu lesen. Die haben mir gesagt, dass alle diese Leute mir ganz ehrlich ihre Meinung gesagt haben und mich keiner dabei 'schonen' wollte oder ins Gesicht gelogen hat!

Die Ausstellung selbst ist auch super gelaufen und ich habe wirklich fast nur positive Stimmen bekommen. Ein bisschen Kritik war mit dabei, aber die war durchweg konstruktiv. Damit kann ich gut leben, bin sogar dankbar dafür!

Was soll ich noch sagen? Ich war zwei Tage im Glücksrausch und es fällt mir erst einmal schwer, wieder die 'normalen' Gefühle meines Arbeitsalltags zu spüren. Aber gelohnt hat es sich auf jeden Fall!

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht meine letzte Ausstellung war.

Liebe Grüße,

euer Axel

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