Montag, 28. August 2017

Fragen über Fragen

Warum fühle ich mich im Moment nicht in Ordnung?Was ist grade los mit mir, in mir?

Warum sagt meine Frau, ich bin so unzufrieden, aggressiv, kurz angebunden?

Warum trinke ich so viel Bier und esse immer zu viel?

Warum brauche ich jeden Tag auf der Arbeit mindesten eine Tüte Gummibärchen?

Warum bin ich gerade in einem Krea-Tief?

Ich bin gerade schwierig, das merke ich selbst, aber warum ist das so?

Warum mache ich diese Phase durch?

Was ist anders als sonst?

Wozu ist das gut?

Zehn Fragen, die mir hier spontan eingefallen sind in nur einer(!) Minute. Das kann doch nicht normal sei, oder doch? Ok, noch eine Frage. Aber es reicht jetzt auch. Also, was mache ich jetzt damit? Jede einzelne beantworten? Nein, ich glaube es hat alles eine Ursache, aber was ist dann das Problem? (Schon wieder eine Frage!)

Also werde ich mal versuchen, mich dem Problem zu nähern. Beobachte ich mal die letzten Wochen, hat es Privat einen richtig dicken Streit mit meiner Frau gegeben. Der ist aber sicher nicht schuld, hat mir eher die Augen dafür geöffnet, dass etwas nicht stimmt. Und ich habe es wieder einmal selbst gar nicht bemerkt, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Vor zwei Tagen hat die Nachbarin, als ich sie freundlich gegrüßt hatte, gesagt “Na, Herr Nachbar, sind wir mal wieder besser gelaunt?” Zuerst empfand ich das als ziemliche Unverschämtheit aber nachdem ich mit meiner Frau darüber geredet habe, hat sie mir das 1:1 bestätigt.

Oops, da ist etwas mit mir im Gange, das ich selbst so gar nicht wahrnehme. Aber was genau läuft da schief?

Also schwenke ich mal auf einen anderen Schauplatz, meine Arbeit. Ich hatte da ja eine Vereinbarung mit meinem Chef und mit seinem Chef. Da mein Chef gerade im Urlaub ist, werde ich direkt von meinem Abteilungsleiter gesteuert. Und der scheint sich nicht im geringsten an unsere Abmachung zu erinnern. Das macht mich ziemlich wütend und ich habe angefangen, “Dienst nach Vorschrift” zu machen. Naja, eigentlich ist es ja eher so, dass ich bewusst Arbeit liegen lasse um eine Eskalation hervorzurufen. Dann merken meine Chefs ja, das ich nicht mehr alles mache und fragen vielleicht mal nach. Aber nein, ich habe den Eindruck, das stachelt ihn erst recht dazu an, mir neue Projekte zu geben. Und wie fühle ich mich dabei?

URLAUBSREIF!

Was anders fällt mir dazu nicht ein. Ich bräuchte dringend Abstand von meiner Arbeit. Also ist es wieder die Arbeit, Die mich wütend und ‘unleidig’ werden lässt? Ja, ich befürchte es. Aber was mache ich damit jetzt?

Der erste Impuls ist, alles hinzuschmeißen. Ich bewerbe mich woanders. Sollen sie doch sehen, wie sie ihren Scheiß alleine machen. Ich wünsche mir insgeheim, meinen Chef-Chef mal richtig auf die Schnauze fallen zu sehen. Aber das kann es nicht sein, so bin ich doch nicht? Normal wünsche ich keinem Menschen etwas schlechtes, auch meinen (sehr wenigen echten) Feinden nicht!

‘So viel gelernt und doch nichts kapiert!’ schießt mir durch den Kopf. Wer spricht da? Mal sehen, da versucht jemand mir die Schuld an meiner Situation zu geben. Das kann eigentlich nur meine Depression sein. Du bist jetzt mal ganz ruhig, OK?

Was bleibt mir jetzt noch übrig?

Schreiben! Go and Create! Einfach Machen!

Egal, wie ich es nenne, aber im Moment hilft nichts, außer darüber zu reden, oder schreiben. Meine Frau möchte ich damit nicht belästigen, obwohl sie mir wahrscheinlich zuhören würde. Aber wenn ich im Moment über meine Arbeit Rede, werde ich ziemlich schnell laut und erhitzt. Dafür sollte ich ein anderes Ventil finden. Auch Alkohol und Fressen ist keine Lösung.
Deshalb schreibe ich hier wieder einmal einen Roman, auch wenn ich mir noch nicht einmal sicher bin, ob ich das jemand veröffentlichen werden. Naja, bis jetzt habe ich ja noch nicht viel ausgesagt und niemanden beleidigt. Das ist auch etwas wert.

Wenn ich mir die Situation mal genau anschaue, dann habe ich jetzt erstmal vier Tage Arbeit.  Die gehen irgendwie rum. Danach bin ich auf einem Zeichnertreffen in Eutin an der Ostsee. Dort habe ich mir vorgenommen, wenigstens mal für zwei Stunden ans Meer zu gehen. Danach habe ich wirklich richtig Se(e)hnsucht. Dann nochmal vier Tage Arbeit und dann habe ich

URLAUB!

Ja, es sind zwei Wochen. Ich helfe in der Zeit beim Umzug meiner Tochter und freue mich auf ein paar Tage mit ihr zusammen. Vielleicht fährt sie ja danach ein paar Tage mit zu uns nach Hause. Das ist noch nicht ganz klar. Aber ich komm raus, mach mal wieder was mit den Händen, kann sehen, was ich erreicht habe.

Wenn ich  aus meinem Urlaub wieder auf die Arbeit ‘darf’, hat sich meine Einstellung
vermutlich auch wieder ein wenig geändert und dann habe ich hoffentlich auch den Mut, das Thema auf der Arbeit wieder anzugehen.

Wichtig ist, dass ich mir in der Zwischenzeit bewusst mache, dass es da ein Problem gibt, dass ich angehen muss, wenn ich wieder die Kraft dazu habe. Und ich muss auf mich und meine Umwelt wieder besser Acht geben. Die wenigen Personen, die meine Freunde sind, möchte ich nicht vergraulen. Darin bin ich momentan gut, im vergraulen.

Hat sich dadurch jetzt auch nur eine der Fragen vom Anfang geklärt? Nein, ich glaube nicht, aber mir geht es trotzdem besser, weil ich mich mir selbst wieder einmal ein Stück geöffnet und mich  meinen Problemen genähert habe. Das ist auch einer der Gründe, warum ich glaube, dass meine Depression keine Chance mehr hat.

Während ich diesen Text schreibe, habe ich die Stöpsel im Ohr und höre ‘The Therory of Everything’ von Ayreon. Ich finde das Album so toll, weil die einzelnen Stücke eine Geschichte erzählen. Auch musikalisch ist das Album toll gemacht.



Bis bald,

Euer Axel


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