Donnerstag, 25. Januar 2018

Mein Leben mit der Depression (Teil 4)


Vor dem vierten Teil habe ich mich lange gedrückt. Aber heute habe ich damit angefangen, mir das alles noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen und nicht zu denken

"Das ist vorbei, lass es so wie es ist"

Für mich ist das der falsche Ansatz. Ich will verstehen, was passiert ist, sonst tappe ich garantiert in die selbe Falle zum zweiten Mal. Darauf habe ich überhaupt keine Lust!

Es war eines schönen Tages auf meiner Arbeit. Mein Chef schickt ein Mail, dass wir in unserm Rechenzentrum eine Stomabschaltung haben. Wir sollen zum Zeitpunkt X alle Systeme herunterfahren. Eine unserer leichtesten Übungen. Am nächsten Tag kann dann früh wieder alles eingeschaltet werden. Dazu muss man noch nicht mal ins RZ gehen. Beim Herunterfahren von einem System habe ich aber schon gemerkt, das braucht viel zu lange, da geht etwas schief. Aber mit etwas Handarbeit hat dann doch noch alles geklappt.

Am nächsten morgen um 6 Uhr war ich wieder am Rechner und habe angefangen, die Systeme wieder zu starten. Genau das System, das nicht herunterfahren wollte, hat sich zwar starten lassen, aber die wichtige Datenbank lief nicht wieder an! Ich habe angefangen den Fehler zu analysieren und ein paar Prüfskripte gestartet. Die brauchen ein wenig Zeit, die ich dazu genutzt habe, auf die Arbeit zu fahren.

Dort angekommen, habe ich verzweifelt versucht, die Datenbank wieder zum Laufen zu bekommen. Ich war von 7:00 Uhr bis um ca. 17:00 Uhr im Büro und habe versucht, was irgendwie möglich war. Am Ende aber ohne Erfolg. Und das Ganze ohne Pause, ohne etwas zu Essen, nur getrunken habe ich.

Auf dem Weg nach Hause hat mich das weiter beschäftigt...

Am nächsten Morgen wollte ich nicht aufstehen, ich hatte ziemlich schlecht geschlafen. Es ist mir einfach nicht gelungen, loszulassen.

Und dann kam die Angst!

Was ist, wenn du heute auf die Arbeit gehst, und das Problem nicht lösen kannst? Angst, Panik und was da sonst noch alles in mir aufgestiegen ist. An diesen Morgen kann ich mich nur noch schemenhaft erinnern. Aber dann kam auch der Punkt, an dem ich mir selbst eingestanden habe, dass ich wieder Hilfe brauche.

Zu meinem Hausarzt wollte ich nicht gehen, auch wenn der mich sicherlich Krank geschrieben hätte. Er kennt ja meine Geschichte ziemlich gut. Aber diesmal wollte ich es richtig machen. Erst zum Psychologen, dann zur Psychotherapie. Also habe ich mich ans Telefon gesetzt und alles abtelefoniert, was ich im Umkreis gefunden habe. Und so habe ich tatsächlich für den nächsten Tag einen Termin bekommen.

Als ich früh dort aufgetaucht bin, musste ich erst einmal warten, lange warten. Aber das war in Ordnung, ich hatte ja eh nichts besseres zu tun. Als ich dann zur Ärztin kam, hat sie mit mir ein sehr langes Anamnesegespräch geführt. Da habe ich mich richtig gut aufgehoben gefühltund habe ihr auch davon erzählt, dass ich wieder Selbstmordgedanken und Gewaltphantasien habe. Darauf hat sie geantwortet, dass sie weniger Bedenken hätte, das ich mir etwas antun könnte, sondern vielmehr dass ich vor lauter Anspannung hier auf den Tisch springe!

Erst da habe ich gemerkt, unter was für einem Druck ich eigentlich stand. Sie verschrieb mir Venlafaxin als Antidepressivum und nach etwas, das gegen Panikattacken hilft, was ich aber nie genommen habe. Und sie hat mich krank geschrieben. Erstmal für 2 Wochen. Den Rest hat mein Hausarzt wieder übernommen. Er hat mir auch dazu geraten, eine Wiedereingliederung zu machen. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, erst einmal wieder für ein paar Stunden ins Büro zu gehen.

Im Nachhinein betrachtet, hätte ich damals auch die Arbeitsstelle wechseln müssen aber dazu hatte ich nicht die Kraft, das zu fordern. Mein Arbeitgeber hat mich auch ein sehr gutes Feedback gegeben. Da habe ich mich etwas 'einlullen' lassen.

Wenige Monate später hat mein Hausarzt festgestellt, dass meine Nierenfunktion durch die Medikamente stark beinträchtigt wird. Er wollte das weiter beobachten. Da ich aber sowieso das Gefühl hatte, dass das Venlafaxin nicht wirklich wirkt, habe ich mich dazu entschlossen, die Tabletten einfach abzusetzen. Ich hatte die Pillen eh schon nicht mehr regelmäßig eingenommen. Daher war ich der Meinung, dur hast ja eh schon angefangen, auszuschleichen. Was für ein Fehler!

In den folgenden 3 Wochen hatte ich immer wieder Schwindelanfälle, die mir richtig Angst eingejagt haben. Im Nachhinein habe ich dann erfahren, dass es einfach Entzugserscheinungen waren, die aber zum Glück doch einigermaßen schnell wieder verschwunden sind.

Was mich im Nachhinein noch beschäftigt hat, war die Frage, wie ein einziger Arbeitstag dazu führen kann, dass ich wieder in das tiefe Loch hineinfalle? Die Frage war aber ganz einfach zu beantworten:

'Ich habe nicht auf mich aufgepasst, meine Gefühle zu lange ignoriert!'

Seitdem versuche ich einfach, besser auch mich zu achten und meinen Gefühlen den notwendigen Raum zu geben. Ja, einfach ist das nicht, aber es ist besser, als wieder in dieses Loch zu fallen!

Danke für's lesen!

Bis bald, euer Axel

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