Freitag, 9. November 2018

Gefühle - wieder einmal

Hallo,

es ist ja nicht das erste Mal, dass ich über Gefühle schreibe. Allerdings geht es mir heute eher darum,
wo meine Gefühle herkommen und wie ich diese wahrnehme. Die Gefühle selbst spielen dabei erst einmal keine so große Rolle. Ja, du hast richtig gelesen, was ich fühle ist gar nicht so wichtig, sondern DASS ich ÜBERHAUPT fühle!

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es vorher war, vor meiner Therapie, die ich vor zwei Jahren gemacht habe. Ja, ich hatte auch Gefühle. Das war mir aber irgendwie immer suspekt und oft wollte ich diese Gefühle gar nicht haben. Gefühle, wer braucht das schon? Was ich dabei gar nicht bemerkt hatte, dass es oft gar nicht meine eigenen Gefühle waren, die ich gespürt habe. Ich habe einfach die Gefühle der Menschen um mich herum wahrgenommen und reflektiert.

Hört sich komisch an? Ja, es fühlt sich auch komisch an! Wenn du im Discounter an der Kasse stehst und hinter dir ist grade jemand aggressiv und du wirst auch plötzlich aggressiv. Wenn du einen Grund dafür erkennen kannst, mag es ja gut sein, aber wenn man plötzlich aggressiv wird, aber gar nicht erkennen kann warum, dann ist das sehr verwirrend.

Diese Verwirrung wollte ich möglichst schnell wieder loswerden und habe die Gefühle sofort wieder unterdrückt. Das hat bei mir erstaunlich lange funktioniert, aber irgendwann war der Punkt gekommen, wo es eben nicht mehr funktioniert hat. Das kam dann so schubweise und hatte oft auch einen definierten Auslöser wie zum Beispiel einen Streit.

Zu der ganzen geballten Wut, die ich während des Streites entwickelte kamen dann auch noch die ganzen anderen, so lange unterdrückten, Gefühle hoch. So eine Mischung muss man erst einmal verkraften. Ich hab das jedenfalls nicht hinbekommen und hatte so ein Gefühlschaos in mir, dass ich, wenn alles wieder abgeebbt war, ein paar Tage innerlich völlig leer war.

Diese Leere war aber noch viel schlimmer, als die Gefühle von anderen Menschen. Ich dachte zeitweise, dass ich schon innerlich abgestorben wäre. Die Folge waren dann drei Phasen Depression, aber die Geschichte habt ihr ja vielleicht schon gelesen.

Heute ist das bei mir ganz anders. Ich habe gelernt, meine Gefühle zu fühlen. Auch habe ich gelernt dass es eben 'nur' Gefühle sind. Gib ihnen den Raum, den sie brauchen und alles ist Gut! Was auch heute auch sehr gut unterscheiden kann, sind Gefühle von anderen Menschen. Wenn ich wieder mal am Discounter in der Schlange stehe und jemand aggressiv wird, amüsiere ich mich eher, als das dessen Ärger auf mich überspringt.

In den letzten Wochen habe ich aber nochmal intensiv daran gearbeitet, dass ich weniger negative Gefühle habe. Wie das geht? 'Stop complaining' heißt die Antwort, also 'Beschwer dich nicht'. Auch wenn das ein wenig zu kurz greift. Es geht darum, sich nicht bei Leiten zu beschweren, die dein Anliegen nicht ändern können. Also über das Wetter braucht man sich somit gar nicht mehr zu beschweren.So in etwas wie Karl Valentin, der gesagt hat 'Ich bin immer glücklich, wenn es regnet. Denn wenn ich unglücklich bin, regnet es trotzdem.' Dazu gibt es ein tolles Video von Will Bowen, dem Initiator dieser Challenge.

Will Bowen: Stop complaining

Diese Challenge hatte ich ja schon einige Zeit am Laufen aber dann kam noch das Jammerfasten

Jammerfasten

dazu und ich muss sagen, das hat mir erst den entscheidenden Kick gegeben.

Ich schaffe es zwar immer noch nicht, 21 Tage am Stück nicht zu jammern, aber ich habe meine Einstellung gegenüber meiner Umwelt doch ziemlich verändert.

So habe ich zum Beispiel auf eine Enttäuschung, die ich gerade erst beruflich erfahren habe, nicht wie sonst mit Wut und Ärger reagiert! Ich konnte es ganz gelassen nehmen und sagen: 'Naja, wenn es so nicht geht, dann versuche ich halt einen anderen Weg. Das ist meine Entscheidung'. Damit bin ich aus der Opferrolle raus und bleibe Handlungsfähig.

Und genau da liegt der entscheidende Punkt. Ich bin für mich selbst verantwortlich! Ich entscheide! Ich gehe meinen Weg und bin nicht abhängig davon dass zuerst Person X Sache Y macht!

Das Schöne daran ist, dass ich heute viel weniger negative Gefühle habe und auch ein ganzes Stück glücklicher bin und wieder Energie in mir habe für all die Projekte, die schon so lange liegen geblieben sind.

Bis bald,

Euer Axel